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H-Kennzeichen: Voraussetzungen, Kosten & Vorteile für Oldtimer

Oldtimer VW Käfer mit H-Kennzeichen auf einer Landstraße

Du hast einen echten Klassiker in der Garage? Wenn dein Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt ist, winkt der steuerliche Ritterschlag: das H-Kennzeichen (Historienkennzeichen). Es schützt automobiles Kulturgut und bietet dir als Halter handfeste finanzielle Vorteile.

Hier erfährst du komprimiert und verständlich, welche strengen Regeln für das Oldtimer-Gutachten gelten, wie hoch die pauschale Kfz-Steuer ausfällt, wo die Unterschiede zum roten 07er-Kennzeichen liegen und welche Unterlagen du bei der Zulassungsstelle zwingend vorlegen musst.

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Die 3 wichtigsten Voraussetzungen für das H-Kennzeichen

Nicht jedes alte Auto bekommt automatisch ein H-Kennzeichen. Der Gesetzgeber verlangt, dass das Fahrzeug zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dient. Folgende drei Bedingungen müssen erfüllt sein:

  • Das Alter: Die Erstzulassung des Fahrzeugs muss auf den Tag genau mindestens 30 Jahre zurückliegen. Ausschlaggebend ist das Zulassungsdatum im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I), nicht das Baujahr.
  • Der Zustand: Das Fahrzeug muss sich in einem erhaltungswürdigen, guten Zustand befinden. Als Richtwert gilt die Zustandsnote 3 oder besser. Es darf keine massiven Durchrostungen, gravierenden Mängel oder schlecht reparierte Unfallschäden aufweisen. Auch ein sogenannter "Rat-Look" (künstlich herbeigeführter Rost) wird meist abgelehnt.
  • Die Originalität: Hier scheitern viele Fahrzeughalter. Das Auto muss weitestgehend im Originalzustand sein oder fachgerecht restauriert worden sein. Zeitgenössisches Tuning (das in den ersten 10 Jahren nach Zulassung üblich war und eingetragen ist) ist meist erlaubt. Moderne Umbauten, ein völlig anderer Motorbaureihe oder ein modernes Airride-Fahrwerk sind ein K.-o.-Kriterium.

Das Oldtimergutachten (§ 23 StVZO) im Detail: Was wird geprüft?

Ob dein Auto die strengen Kriterien erfüllt, entscheidet ein amtlich anerkannter Sachverständiger oder Prüfingenieur (z.B. bei TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS) im Rahmen des Oldtimergutachtens nach § 23 StVZO. Diese Prüfung ist weitaus detaillierter als eine normale Hauptuntersuchung (HU).

Der Prüfer kontrolliert unter anderem folgende Aspekte:

  • Motor & Antrieb: Befindet sich der Originalmotor im Fahrzeug? Falls ein Austauschmotor verbaut wurde, muss dieser aus derselben Fahrzeugbaureihe stammen oder mindestens 30 Jahre alt sein.
  • Lackierung: Eine Neulackierung ist erlaubt, allerdings werden grelle Effektlacke oder Muster, die historisch völlig untypisch sind, oft kritisch gesehen.
  • Innenraum: Die Sitze und das Armaturenbrett sollten dem Original entsprechen. Ein modernes Touchscreen-Radio oder gigantische Lautsprecher-Boxen auf der Hutablage können zur Verweigerung des H-Status führen. Ein historisch passendes Retro-Radio (auch mit verstecktem Bluetooth) ist hingegen in Ordnung.
  • Sicherheit: Die Betriebs- und Verkehrssicherheit muss vollumfänglich gegeben sein. Oft wird das §23-Gutachten direkt mit einer regulären Hauptuntersuchung (HU) kombiniert.

Kosten und Steuern: Lohnt sich das Oldtimer-Schild?

Der größte finanzielle Anreiz für das H-Kennzeichen ist die pauschale Besteuerung. Unabhängig von Hubraum, Antriebsart (Benzin oder Diesel) oder Schadstoffausstoß zahlst du einen fixen Betrag an den Zoll:

  • Für PKW und LKW: 191,73 Euro pro Jahr
  • Für Motorräder: 46,02 Euro pro Jahr

Die Faustregel: Fährst du beispielsweise einen alten Diesel, einen US-V8 oder generell ein Fahrzeug mit viel Hubraum, sparst du durch die Pauschale extrem viel Geld (oft mehrere hundert Euro pro Jahr). Bei Kleinwagen mit sehr wenig Hubraum (z.B. einer Ente, einem Fiat 500 oder einem Goggomobil) kann die reguläre Hubraumsteuer sogar günstiger sein als der Pauschalbetrag. In diesem Fall kann es finanziell schlauer sein, den Wagen regulär anzumelden.

Die Oldtimer-Versicherung: Fast alle Versicherer bieten spezielle, extrem günstige Oldtimer-Tarife an (oft unter 100 Euro im Jahr für Haftpflicht). Die Bedingungen hierfür sind meist: Das Fahrzeug muss ein H-Kennzeichen haben, nachts in einer Garage stehen und darf nur eine begrenzte Kilometerzahl (z.B. max. 5.000 bis 8.000 km im Jahr) bewegt werden. Zudem fordern viele Versicherer den Nachweis über ein reguläres Alltagsfahrzeug.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Das H-Kennzeichen bringt fast nur Vorteile, schränkt dich in der Nutzung aber minimal ein.

Die Vorteile

  • Umweltzonen: Du darfst mit dem H-Kennzeichen in allen deutschen Umweltzonen fahren – komplett ohne grüne Feinstaubplakette!
  • Pauschale, oft stark vergünstigte Kfz-Steuer (besonders bei großen Motoren).
  • Deutlich günstigere Versicherungstarife.
  • Es dient als amtliches Qualitätszertifikat und führt meist zu einer Wertsteigerung des Fahrzeugs.

Die Nachteile / Pflichten

  • Gewerbliche Nutzung ist grundsätzlich verboten (Ausnahmen bedürfen der Genehmigung, z.B. bei Oldtimer-Hochzeitsfahrten).
  • Es besteht die dauerhafte Pflicht zur Erhaltung des Originalzustandes.
  • Einmalige Kosten für das initiale Gutachten nach § 23 StVZO (ca. 100 bis 200 Euro).

H-Kennzeichen oder Rotes 07er Kennzeichen?

Neben dem regulären H-Kennzeichen gibt es für Oldtimer auch das rote 07er-Kennzeichen. Viele Fahrzeughalter sind unsicher, welche Variante die bessere ist. Hier sind die entscheidenden Unterschiede:

  • Das H-Kennzeichen ist eine ganz normale, reguläre Zulassung. Du darfst das Auto jederzeit im Alltag fahren (Einkaufen, Urlaub, zur Arbeit). Es ist fest an ein Fahrzeug gebunden.
  • Das Rote 07er-Kennzeichen ist ein Wechselkennzeichen für Sammler. Du kannst es an mehreren Oldtimern (die alle mindestens 30 Jahre alt sein müssen) abwechselnd montieren. Du zahlst nur einmal die pauschale Steuer (191,73 Euro). Der große Haken: Es ist keine reguläre Zulassung! Du darfst damit nur zu Oldtimer-Treffen, Werkstattfahrten, Probe- und Überführungsfahrten aufbrechen. Der normale Alltagsgebrauch ist strengstens verboten und ein Verstoß führt zum sofortigen Entzug des Kennzeichens.

Fazit: Wer nur einen Oldtimer hat und diesen bei schönem Wetter am Wochenende oder auch mal im Alltag fahren möchte, wählt das H-Kennzeichen. Wer eine ganze Sammlung hat und diese nur zu Ausstellungen bewegt, fährt mit dem 07er-Kennzeichen deutlich günstiger.

Beantragung: Diese Unterlagen brauchst du bei der Zulassungsstelle

Hast du das Oldtimergutachten bestanden, musst du zur zuständigen Zulassungsstelle deines Landkreises. Nimm unbedingt folgende Dokumente mit:

  • Gültiger Personalausweis oder Reisepass mit aktueller Meldebescheinigung
  • Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief)
  • Das positive Oldtimergutachten (§ 23 StVZO) im Original
  • Den aktuellen Bericht über eine gültige Hauptuntersuchung (HU)
  • Die elektronische Versicherungsbestätigung (eVB-Nummer) speziell für die Oldtimer-Zulassung
  • Deine bisherigen Kfz-Kennzeichen (falls das Fahrzeug aktuell noch regulär zugelassen ist)
  • Deine Reservierungsbestätigung (PIN) für dein neues H-Wunschkennzeichen.

Vor dem Termin: Zeit & Geld sparen!

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Häufige Fragen (FAQ) zum H-Kennzeichen

Ab wann ist ein Auto ein Oldtimer?

Ein Auto gilt als Oldtimer, wenn die Erstzulassung exakt 30 Jahre zurückliegt. Ausschlaggebend ist das genaue Datum im Fahrzeugschein, nicht nur das Baujahr.

Darf ich mit dem H-Kennzeichen in Umweltzonen fahren?

Ja. Fahrzeuge mit einem H-Kennzeichen sind generell von den Regelungen der Umweltzonen befreit. Du benötigst keine grüne Umweltplakette, um in Innenstädte zu fahren.

Gibt es das H-Kennzeichen auch als Saisonkennzeichen?

Ja, seit 2017 ist die Kombination aus H-Kennzeichen und Saisonkennzeichen (z. B. 04 bis 10) gesetzlich erlaubt. Du sparst so anteilig Steuern und Versicherung für die Monate, in denen der Oldtimer überwintert.

Kann ich ein Wunschkennzeichen als H-Kennzeichen nutzen?

Absolut! Du kannst ganz normal eine Wunschkombination reservieren. Bedenke aber, dass das "H" am Ende Platz auf dem Schild wegnimmt. Wähle im Idealfall eine kurze Kombination aus maximal 2 Buchstaben und 3 Zahlen.

Kann mir das H-Kennzeichen wieder entzogen werden?

Ja. Das H-Kennzeichen ist nicht für die Ewigkeit garantiert. Verfällt das Fahrzeug in einen stark vernachlässigten Zustand oder werden gravierende, nicht-zeitgenössische Umbauten vorgenommen, kann der Prüfer bei der nächsten Hauptuntersuchung (HU) den Oldtimer-Status aberkennen.